492 • Produktivität

Mache das Beste aus der Arbeit im Homeoffice

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Telearbeit als seltene Struktur für Angestellte oder Auftragnehmer galt. Das ist mittlerweile nicht mehr der Fall. Eine beträchtliche Anzahl (Englisch) von Angestellten in den USA und anderen Ländern (einige Schätzungen gehen von 37 Prozent aus) geht ihren Arbeitspflichten von einem anderen Ort als dem Büro in der Firma aus. Aber wie kann man von zu Hause aus arbeiten und angesichts der zahlreichen Ablenkungen und Versuchungen dennoch produktiv sein? Deine geistige Einstellung und deine konkrete Arbeitsumgebung sind für den Erfolg bei der Arbeit im Homeoffice ebenso wichtig wie die gute alte Selbstdisziplin.

Untersuchungen zeigen (Englisch), dass die Produktivität für die meisten (Englisch) Telearbeiter im Allgemeinen kein Problem darstellt. Ein Bericht des US‑Nachrichtenmagazins U.S. News & World Report (Englisch) gelangte zu der Feststellung, dass Angestellte im Homeoffice selbst dann produktiv sind, wenn sie krank sind, und dass sie in der Regel fünf bis sieben Stunden pro Woche mehr arbeiten als ihre Kollegen im Büro.

Dennoch gibt es Zeiten und Situationen, in denen selbst die Wohlmeinendsten unter uns unsere Kollegen versehentlich ignorieren oder einen Nachmittag lang vergessen, dass „außer Haus“ nicht „außer Dienst“ bedeutet. In diesem Beitrag stellen wir dir vor, wie einige erfolgreiche Telearbeiter ihre Traumvorstellung vom Homeoffice leben.

„Gehe“ zur Arbeit: rein symbolisch, aber wirkungsvoll

Einer der größten Vorzüge, wenn man von zu Hause aus arbeitet, ist das Verwischen von Grenzen. Den ganzen Tag über im Pyjama herumzulaufen, den Fernseher nebenbei laufen zu lassen, Frühstückstreffen mit seinen Haustieren zu veranstalten – all das und noch viel mehr ist problemlos möglich. Der Start in den Arbeitstag sollte jedoch in mehr bestehen, als nur die Müslischale beiseite zu schieben. Deine mentale Einstellung kann sich auf deine Arbeitsleistung auswirken und letztlich auch darauf, wie du dich in deiner Position fühlst.

Wenngleich viele von uns zu Hause kein Extrazimmer haben, um es als Büro zu nutzen, hilft ein speziell zum Arbeiten eingerichteter Bereich dabei, sich zu konzentrieren. Ein chaotischer Haushalt mit herumtobenden Kindern und Teenagern oder die unmittelbare Nähe zu einer Spüle mit schmutzigem Geschirr sind Ablenkungen, die man bei der Arbeit nicht gebrauchen kann. Manche Telearbeiter duschen und ziehen sich so an, als würden sie ganz normal zur Arbeit gehen, bevor sie in ihr Ersatzbüro oder Gästezimmer marschieren. Andere schaffen sich einen Platz am anderen Ende des Esszimmertischs, den sie nur während der Arbeitszeit benutzen.

„Ich bin ein großer Fan davon, Büro und Wohnraum getrennt zu halten, auch wenn das nicht jeder tun kann“, sagt Julie Francis, Gründerin der Forschungs- und Strategieabteilung für User Experience bei BellaVia Research. Francis arbeitet seit über einem Jahrzehnt vom Homeoffice aus. „In dem Moment, in dem ich mein Büro betrete, befinde ich mich im Arbeitsmodus. Es gibt keinen schleichenden Übergang.“

Wenn du es schon nicht schaffst, einen physischen Raum nur für dich und dein Notebook einzurichten, kannst du dies zumindest mental tun. Investiere in gute geräuschunterdrückende Kopfhörer, sofern du dich auf diese Weise gut von der Außenwelt abschotten kannst. Ignoriere jegliches Geschirr, bis du eines deiner Projektziele erreicht hast. Erkläre deinen Kindern, dass jegliche Störung auf ihre eigene Gefahr geschieht. Deine persönliche „Bitte nicht stören“-Strategie stellt womöglich deine einzige Möglichkeit dar, dein Heimbüro wie ein „richtiges“ Büro zu behandeln. Und wenn deine Vorbereitung auf jeden Arbeitstag in nichts Weiterem bestehen sollte, als zu duschen und einen gemütlichen Hausanzug anzuziehen, dann liegt die Entscheidung ganz bei dir.

Bestimme dein Tempo: Sprint oder Marathon

Was hält dich am Laufen? Um erfolgreich zu sein, musst du eine ehrliche Einschätzung vornehmen, was dich produktiv hält, und dir deinen eigenen Stil zunutze machen, statt gegen ihn anzuarbeiten. Bist du eher ein Sprinter oder ein Marathonläufer?

Sprinter:

• Arbeitet lieber in kürzeren, intensiven Phasen und erledigt die Arbeit in größeren Stücken.

• Benötigt hin und wieder kleinere Pausen, um kurz durchzuatmen.

• Braucht womöglich im Stundenrhythmus fünfminütige Mini-Pausen.

Marathonläufer:

• Bleibt gerne über längere Strecken konzentriert, bevor er/sie Luft holt.

• Arbeitet am besten in langen, nicht unterbrochenen Phasen, um in einen Flow zu geraten.

Manche Menschen sind eine Mischung aus beidem: mit langen Arbeitsphasen am Vormittag und kurzen intensiven Phasen am Nachmittag. Es gibt keinen falschen Ansatz, also arbeite einfach gemäß deinem natürlichen Rhythmus. Wenn du ein Sprinter bist, wird das Aufteilen deiner größeren Projekte in einzelne Teilabschnitte deinen Tag erheblich angenehmer machen und dich effektiver daran arbeiten lassen.

Biege dich mit: Flexibilität schützt dich davor, zu zerbrechen

Flexible Zeiteinteilung bzw. Gleitzeit ermöglicht es vielen intensiv beschäftigten Mitarbeitern, allen an sie gestellten Anforderungen in ihrer eigenen Zeit gerecht zu werden. „Ich arbeite an drei Tagen die Woche vom Homeoffice aus und kann meine Arbeit und mein heimisches Privatleben einfach getrennt halten, weil ich eine sechsjährige Tochter habe, die meine Aufmerksamkeit verlangt, sobald sie von der Schule nach Hause kommt“, sagt Beth Faris, Senior Marketing Managerin bei O’Reilly Media. „Aber es kommt auch vor, dass ich noch etwas mehr arbeite, wenn sie abends zu Bett geht.“ Die Einhaltung flexibler Arbeitszeiten, auch in Teilzeit, kann eine Möglichkeit darstellen, um in gewissem Rahmen den Anschein von Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu wahren.

Viele Remote-Worker bleiben den ganzen Tag über in ihrem Arbeitsbereich, auch wenn sie Pausen einlegen können. Wenn du vom Homeoffice aus arbeitest und deine übrigen Beschäftigungen im Rahmen der flexiblen Arbeitszeiten nicht zu kurz kommen, umso besser. Halte deine Mittagspausen frei, um ins Fitnessstudio zu gehen oder an deinem großen Roman zu arbeiten. Ist es dir vielleicht möglich, an weniger wichtigen Online-Besprechungen teilzunehmen, während du den Hund ausführst (natürlich bei stumm geschaltetem Telefon) oder auf dem Laufband trainierst? Was kannst du tun, damit die berufliche Flexibilität für dich funktioniert?

Mission Possible: Bleibe auch abseits deines Schreibtischs fokussiert

Unabhängig davon, ob du dich tagsüber von der Arbeit freimachst oder deine Stunden mit aller Macht durchziehst, du musst einen Weg finden, deine Konzentration aufrechtzuerhalten. „Man muss das Haus auch mal verlassen“, meint die Schriftstellerin und Redakteurin Sandra Miller. „Man sollte für etwas Abwechslung sorgen, um einen drohenden Lagerkoller zu vermeiden. Gehe zum örtlichen Feinkostladen, um dir etwas zum Mittagessen zu besorgen, aber statte nicht auch noch dem Buchladen am anderen Ende der Fußgehzone einen Besuch ab. Gehe mit einem Freund Kaffee trinken, aber behalte dabei die Zeit im Blick. Solange dein Arbeitstag noch läuft, sollten solche Ausflüge ein gewisses Ziel haben, und deine Ziele sollten zeitlich begrenzt sein.“Den Tag zu unterteilen funktioniert jedoch nicht für alle Menschen. „Ich erledige während der Arbeitszeit keine Besorgungen“, sagt Vertriebskoordinatorin Lauri Lerner. „Ich möchte meinen Arbeitstag nicht über 12–14 Stunden verteilen. Ich konzentriere mich während meiner acht, neun oder 10 Stunden auf die Arbeit, und erst danach gehe ich raus und erledige meine Einkäufe.“

Vergiss Multitasking: Tu nicht mehr nur um des Mehrs willen

Das Phänomen „Multitasking“ geistert schon seit langem als Schlagwort in Unternehmen herum, als ob es sich dabei um den erstrebenswerten Zustand für höchste Produktivität handeln würde. Doch nach Ansicht der American Psychological Association (Englisch) geht die gleichzeitige Beschäftigung mit mehr als einer Aufgabe auf Kosten der Produktivität. Die allerwenigsten von uns sind geborene Multitasker. Manche Telearbeiter rufen daher ihre eingehenden E‑Mails lieber nur einmal pro Stunde ab, statt jede Nachricht sofort nach dem Eintreffen zu lesen.

Kommunikation ist wichtig: Nimm frühzeitig und oft Kontakt auf

Es kann etwas frustrierend sein, sich einzugestehen, dass man Gefahr läuft, als nicht erreichbar wahrgenommen zu werden, wenn man nicht sichtbar ist. Es liegt dann an dir, deinen Kollegen zu zeigen, dass du deine Aufgaben im Griff hast und dich den Arbeitsergebnissen verschrieben hast.

„Kommunikation ist für mich entscheidend“, äußert sich Martha Garcia, eine leitende Assistentin bei Logitech, die regelmäßig von zu Hause aus arbeitet. „Wenn ich nicht im Büro bin, bleibe ich dennoch sichtbar und jederzeit erreichbar. Ich sorge dafür, dass ich immer in der Lage bin, umgehend zu antworten, wenn mich jemand braucht, auch wenn ich gerade nicht in meinem Homeoffice sitze.“

„Halte nach Möglichkeit Videokonferenzen statt Telefonkonferenzen ab“, schlägt Francis vor. „So sehr wir alle es auch hassen, vor einer Webcam zu sitzen, die Sitzungen werden dadurch wirklich effizienter.“ Wenn du Slack, Google Hangouts oder andere Chat-Tools nutzt, sorge dafür, dass dein Status aktualisiert wird, um deine Verfügbarkeit zu signalisieren. Wenn du offline gehen, hinterlasse eine Statusmeldung, die anzeigt, wann du wieder zurück sein wirst. Wenn du nur etwas Zeit brauchst, um dich zu sammeln, schreibe das in deine Nachricht. Teile nicht einfach nur mit, dass du abwesend bist, denn dadurch wird eine falsche Botschaft vermittelt.

Ziele und Arbeitsergebnisse: Sei dein eigener Chef

Letztendlich funktioniert das Arbeiten abseits des Firmenbüros dann am besten, wenn man diszipliniert ist. Francis ist fest von ihrer „goldenen Regel der Prokrastination“ überzeugt: „Erledige immer die Aufgabe deiner To‑do-Liste, auf die du die geringste Lust hast. Dies ist häufig die schwierigste Aufgabe, aber wenn man sie erst einmal erledigt hat, ist es eine große Erleichterung.“

Erledige immer die Aufgabe deiner To‑do-Liste, auf die du die geringste Lust hast. – Julie Francis

Wie erfolgreich du sein wirst, wird immer davon abhängen, wie gut du und dein Unternehmen mit deiner physischen Abwesenheit zurechtkommen. „Ich arbeite in einem sehr flexiblen Unternehmen, das Telearbeiter bevorzugt“, sagt Garcia. „Wir verwenden Telefon, E‑Mail, SMS und Google Hangouts … man kann also buchstäblich von überall aus arbeiten, solange man Zugang zum Internet und ein Telefon hat. Nicht jedes Unternehmen ist so, daher denke ich, dass es viel einfacher ist, ein effektiver Telearbeiter zu sein, wenn das Unternehmen seinen Mitarbeitern die Flexibilität gibt und die Werkzeuge bereitstellt, um ein solcher sein zu können.“

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 7. Juli 2017 im Evernote-Blog.

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