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Das neue Jahr unter Kontrolle haben: ein Gespräch mit Michael Hyatt

Wie können wir gute Vorsätze und die Energie eines Neubeginns ausnutzen und in greifbare und dauerhafte Ergebnisse verwandeln? Wie können wir unsere Ängste überwinden und uns selbst dazu bringen, unsere Ziele zu erreichen?

Für diese Fragen gibt es niemand besseren als Michael Hyatt. Er ist Berater im Bereich Führungsentwicklung und unterstützt Spitzenkräfte dabei, ausreichend Durchsicht und Vertrauen sowie die notwendigen Tools zu erhalten, um geschäftlich und auch privat erfolgreich zu sein. Dieses Vorhaben spricht Hunderttausende Menschen an, die Hyatt in sozialen Medien folgen, seinen Blog lesen, an seinen Kursen teilnehmen oder eine seiner Veranstaltungen besuchen. Sein Podcast „This Is Your Life“ hat bereits mehr als 200 Folgen. In seinem vor Kurzem veröffentlichten Buch Living Forward: A Proven Plan to Stop Drifting and Get the Life You Want ist ein Besteller auf den Buchlisten des Wall Street Journal und von USA Today.

Hyatt ist seit vielen Jahren auch ein Verfechter von Evernote. In diesem Blogpost erklärt er sein Organisationssystem, das auf Schlagwörter aufbaut. Hyatt kann uns mehr über die Rolle von Evernote bei der Entwicklung eines Plans zum Erreichen von Zielen erzählen.

Michael Hyatt Sitzend auf einem Schreibtisch vor einem Büchergestell

Wir haben mit Michael Hyatt bei ihm zu Hause in Nashville, Tennessee (USA), gesprochen. Ein Auszug aus dem Transkript ist unten zu finden.

Das komplette Gespräch auf Englisch:

Dauer: 26 Minuten | SoundCloud | MP3


Ein neues Jahr hat begonnen und viele Menschen denken darüber nach, sich neu zu orientieren und ihr Leben zu verändern. Wir wissen zwar meist ganz genau, dass wir nicht glücklich sind oder dass wir etwas ändern möchten, aber sind uns dann nicht sicher, wie wir unsere Ziele erreichen können und wo wir überhaupt beginnen sollen. Wie wissen wir, dass wir die richtigen Ziele ausgewählt haben? Ich könnte bestimmt 50 Dinge aufzählen, die ich in diesem Jahr ändern möchte.

Ich würde Ziele nicht für den allgemeinen Arbeitsalltag setzen, oder wie die Autoren von Die 4 Disziplinen der Umsetzung es nennen: den „Wirbelwind“. In unserer Arbeit haben wir sowieso Ziele und es besteht ein Unterschied zwischen Projekten und Zielen. Jedes Ziel ist ein Projekt, aber nicht jedes Projekt ist ein Ziel. Wir werden dieses Jahr Hunderte Dinge, privat und beruflich, in Angriff nehmen, aber wahre Ziele liegen außerhalb dieses Wirbelwinds. Es sind die Dinge, die wirklich etwas bewegen und die ein bemerkenswertes Jahr ausmachen.

Und nur du alleine kannst die Frage beantworten. Was wäre dein Ziel? Was wäre dieses außergewöhnliche Vorhaben, das du in deiner Arbeit, deiner Ehe oder für deine Gesundheit umsetzen könntest, um dann am 31. Dezember 2017 auf das Jahr zurückzublicken und es als ein besonderes Jahr einzustufen?

Wir haben im Laufe unserer Forschung erkannt, dass wir im Fall von zu vielen Vorhaben überfordert sind. Du hast eine Liste von 10, 20 oder 50 Zielen erwähnt. Wir wollen viel erreichen, wenn wir daran denken, uns selbst zu verbessern, aber die Fülle an Zielen ist kontraproduktiv, da unsere Aufmerksamkeit dabei auf die einzelnen Vorhaben aufgeteilt wird.

Ein altes chinesisches Sprichwort, das mir sehr gut gefällt, besagt „Wer zwei Hasen jagt, fängt keinen.“. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf zu viele Ziele richten, laufen wir Gefahr, echten Fortschritt zu behindern. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit gezielt und gebündelt einsetzen. Dazu müssen Prioritäten festgelegt werden. Ich würde sagen sieben bis zehn Ziele für das ganze Jahr. Und auch dabei sollten die Deadlines über das ganze Jahr gestaffelt werden, um uns nicht zu übernehmen.

Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn wir an Produktivität denken, glauben wir oft, dass wir immer mehr schaffen müssen. Aber darum geht es eigentlich gar nicht, oder?

Nein, darum geht es tatsächlich nicht. Wichtig ist, die richtigen Vorhaben zu erledigen und nicht so viele wie möglich. Letztes Jahr habe ich einen Onlinekurs mit dem Titel Free to Focus veröffentlicht. Der Untertitel sagt eigentlich schon alles über meine Philosophie: „Mehr mit weniger erreichen”. Aber wie soll das nur gehen? Wie verringert man die Anzahl von Aufgaben auf einige wenige?

Meine Grundregel lautet: An einem Tag erledige ich nur drei Aufgaben. Dabei geht es um wichtige Aufgaben, aber auch wenn sie dringend sind, nehme ich nur drei pro Tag in Angriff. Dazu musst du wirklich wissen, was deine absolute Stärke ist, oder du musst deine Aufmerksamkeit bündeln. Von diesem Konzept habe ich zum ersten Mal in Die 4-Stunden-Woche von Tim Ferriss gehört. Man muss Aufgaben aussortieren, automatisieren und delegieren, um sich all das vom Leib zu schaffen, was man eigentlich gar nicht machen sollte.

Wenn man sich treiben lässt, endet man nie dort, wo man eigentlich hingewollt hätte.

Wenn man drei wirklich wichtige Dinge pro Tag erledigt, dann summiert sich das mit der Zeit und bewegt etwas in unserem Leben. Die meisten Menschen haben jeden Tag eine endlose Aufgabenliste. Abends gehen sie dann frustriert zu Bett, weil sie nicht alles geschafft haben. Am nächsten Tag wachen sie auf und erinnern sich mit Schaudern daran, was alles noch von gestern übriggeblieben ist. Das löst keine positiven Gefühle aus und man hat nicht das Gefühl, Fortschritte zu machen. Das ist ein Kampf, den man nicht gewinnen kann. Warum ändern wir dann nicht einfach die Spielregeln, damit wir eine Chance auf Erfolg haben?

Wie gehen wir dieses Vorhaben an? Du erwähnst drei Aufgaben pro Tag, sieben bis zehn Ziele pro Jahr. Dieser Ansatz hat also verschiedene Ebenen. Wie grenzt man diese Liste ein und entwickelt einen realistischen und umsetzbaren Plan?

Es beginnt meiner Meinung damit, genau zu wissen, was man im Leben will. Die meisten Menschen nehmen sich nicht die Zeit oder genug Zeit, um darüber nachzudenken, was sie wirklich möchten. Die Vorstellungen sind unscharf. Viele Leute lassen sich einfach treiben. Das Problem ist jedoch, dass so niemand jemals dort landet, wo er eigentlich hinwollte. Denn dazu ist geplantes Handeln notwendig. Ich habe ein kleines Modell erarbeitet, das ich in meinen Kursen und Online-Einschätzungen nutze. Darin geht es um die drei Kreise des Lebens. Der Kreis des Seins umfasst dein spirituelles, intellektuelles, emotionales und physisches Leben. Dies bezieht sich auf deine Beziehung zu dir selbst. Was möchtest du in diesen Bereichen erreichen? Du, als private Person.

Dann gibt es den Kreis der Beziehungen, der sich auf dein Verhältnis zu deinem Lebenspartner, deinen Kindern, deinen Freunden und deinem sozialen Netzwerk bezieht. Dabei geht es um deine Beziehung zu anderen. Was möchtest du hier erreichen? Hast du wichtige Freundschaften? Hast du Freunde außerhalb der Arbeit? Bist du wirklich glücklich, zufrieden und tief verwurzelt in deiner Ehe oder Beziehung oder möchtest du eigentlich etwas anderes?

Der dritte Kreis ist der Kreis des Handelns, in den deine Berufung, Interessen, Hobbys und auch deine Finanzen fallen. In allen diesen Bereichen ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was man eigentlich will. Was erwarte ich mir aus meiner Ehe? Was stelle ich mir für meine Karriere vor? Was will ich finanziell erreichen? Wie soll mein Geistesleben aussehen?

Wenn wir Dinge aufschreiben, nehmen sie eine klarere Gestalt an. Wenn Ideen klarer werden, nähern wir uns ihnen wie von einem Magnet angezogen an.

Beantworte diese Fragen schriftlich. Einer der größten Fehler, den viele Menschen machen: Sie haben zwar vage Vorstellungen und Träume, aber schreiben sie nicht auf. Eine Forscherin der Dominican University in Kalifornien in den USA hat das Thema Zielsetzung mit 267 Teilnehmern untersucht. Eines der Ergebnisse war unter anderem, dass alleine das Aufschreiben von Zielen die Wahrscheinlichkeit um 42 % erhöht, das Ziel auch zu erreichen.

Viele von uns brauchen jedoch Unterstützung, um diesen Punkt zu erreichen. Hattest du einen Mentor oder jemanden, der dir dabei half, die Dinge klarer zu sehen.

Ja, ich hatte im Laufe der Jahre so einige. Einer der Bedeutendsten war der Coach für Führungskräfte, den ich 2000 anheuerte: Daniel Harkavy. Er ist auch Koautor meines neuesten Buchs Living Forward. Er war mir eine riesige Hilfe, denn er war der Erste, der zu mir sagte: „Du musst dir überlegen, was du in den einzelnen großen Bereichen deines Lebens willst.“. Wir haben wie im Buch beschrieben einen Prozess zur Lebensplanung erstellt, in dem wir uns in jedem dieser Bereiche Gedanken machen und uns überlegen, wo wir in 25 Jahren sein möchten.

Kommen wir einen Moment zu dem Buch: „Living Forward: A Proving Plan to Stop Drifting and Get the Life You Want“. Wie ist dieses Buch entstanden?

Ich arbeitete mit Daniel seit etwa 2000 an dem Thema Lebensplanung. Ich plane jedes Jahr und für mich war es eine wirklich hilfreiche und erleuchtende Übung. Dann schlug ich Daniel einmal vor: „Dieser Prozess hilft mir unglaublich weiter. Und ich bin nur jemand, der die Tipps umsetzt. Du bist derjenige, der Tausende Menschen berät. Warum schließen wir uns nicht zusammen und schreiben ein Buch, das Menschen dabei hilft, diesen Prozess umzusetzen?“. Er war begeistert von der Idee, also haben wir das Buch geschrieben. Es kam letztes Frühjahr heraus und ist inzwischen ein Besteller auf den Buchlisten des Wall Street Journal, von USA Today und von Publisher’s Weekly. Offenbar sind viele Menschen an der Planung ihres Lebens interessiert oder möchten mit mehr Planung an ihr Leben herangehen.

Das ist jedoch nur eines der vielen Projekte, an denen du arbeitest. Du hast einen wöchentlichen Podcast mit dem Titel „This is Your Life“ und bietest einen Online-Kurs an, der vor allem zu dieser Jahreszeit sehr passend ist. Ist das korrekt?

Ja, genau. Ich habe einen Kurs mit dem Titel Five Days to Your Best Year Ever, den ich vor etwa vier Jahren gestartet habe. Die Grundlage dafür war eine Gewohnheit, die ich bereits seit über zehn Jahren hatte, in dem Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr darüber nachzudenken, was ich im nächsten Jahr wollte. Ich stelle mir immer diese Frage: „Wie kann ich aus dem nächsten Jahr mein bisher bestes Jahr machen?“. Meine Tochter Megan, die COO meines Unternehmens ist, hatte dann eines Tages die Idee, einen Kurs rund um das Thema zu erstellen. Ich war sehr erstaunt über den Vorschlag, da ich dachte, jeder würde das so machen. Jeder nimmt sich doch etwas Zeit, um sich Gedanken zu machen. Aber sie sagte: „Also, das macht eigentlich fast niemand. Ich glaube, dass dein Prozess vielen Menschen dabei helfen könnte, ihre Wünsche klar zu definieren und ihr Jahr in ein außergewöhnliches Jahr zu verwandeln.“.

Das ist wirklich interessant. Es scheint so logisch zu sein, dass man sich zu Beginn des Jahres ein paar Tage Zeit für die Planung nimmt, wenn man im Laufe des Jahres eine größere Änderung in seinem Leben vornehmen möchte. Aber ja, es stimmt. Die meisten von uns machen das nicht wirklich.

Ich bitte dich jetzt nicht, fünf Tage in den nächsten paar Minuten zusammenzufassen, aber sprechen wir doch noch ein wenig über die wirklich zentralen Maßnahmen, die man unbedingt beachten sollte…

Gerne.

Ein Ziel, einen Plan und die nötige Durchsicht zu haben, klingt plausibel. Dies ist aber vielleicht nicht genug, wenn wir unseren Plan nicht in neue Handlungsweisen und Gewohnheiten verwandeln können. Wie glaubst du, kann man Verhaltensmuster auch wirklich ändern?

Eines der ersten Themen, das ich in der ersten Sitzung von Five Days to Your Best Year Ever anspreche, ist, wie wichtig es ist, unsere einschränkenden Vorstellungen zu erkennen. In vielen Fällen sind es unsere Überzeugungen, die uns zurückhalten. Unser Verhalten wird dadurch eingeschränkt, weil wir glauben, zu alt oder zu jung zu sein oder nicht genug Erfahrung oder nicht die passende Ausbildung zu haben. Das Problem hier ist, dass diese Einschränkungen in der Regel nur in unseren Köpfen und nicht im wahren Leben vorhanden sind, aber wir tendieren dazu, diese Vorstellungen zu externalisieren. In der ersten Sitzung von Best Year Ever gehen wir dem auf den Grund und versuchen diese einschränkenden Vorstellungen durch befreiende Wahrheiten zu ersetzen.

In der zweiten Sitzung sprechen wir über den Abschluss vergangener Dinge. So viele Menschen ziehen negative Aspekte ihrer Vergangenheit in die positiven Teile der Zukunft. Sie sabotieren sich selbst, weil sie etwas in der Vergangenheit nicht abgeschlossen haben. In einem 8-Stufen-Plan sprechen wir über den Abschluss von Vergangenem. Dazu gehört aber nicht nur, die negativen Erfahrungen, Reuegefühle und Enttäuschungen aus dem alten Jahr zu verarbeiten, sondern auch die Erfolge zu feiern. Wir sprechen über die Dinge, für die wir uns Anerkennung gewünscht hätten, aber nicht erhalten haben, und über Ergebnisse, auf die wir besonders stolz sind. So bauen wir eine gute Grundlage für Sitzung Teil 3 auf, in der wir mit der Zielsetzung beginnen.

Ich nutze das SMART-Framework, aber ich habe es auf SMARTER ausgeweitet. Die zwei Buchstaben, die ich an das bekannte SMART-Konzept anhänge, sind zum einen „exciting“ (spannend) für das „E“. Es muss sich um etwas handeln, dass dich wirklich überzeugt. Wenn du nicht überzeugt davon bist, ziehst du es wahrscheinlich auch nicht durch. Sobald es schwierig wird, verlierst du den Antrieb. Das „R“ steht für „relevant“. Damit meine ich, dass das Vorhaben sich in dein restliches Leben einfügen muss. Eine Mutter mit kleinen Kindern hat eine völlig andere Ausgangslage als jemand wie ich, dessen Kinder schon selbstständig und ausgezogen sind. Ich habe mehr freie Zeit zur Verfügung. Ziele müssen die jeweilige persönliche Situation auch widerspiegeln.

In der vierten Sitzung sprechen wir über unsere Motivation. Warum ist dieses Ziel so wichtig? Wir schreiben unsere Gründe auf. Ich mache das übrigens in Evernote. Im fünften Teil besprechen wir, wie wir das alles verwirklichen können. Dabei geht es hauptsächlich um die Umsetzung und wie man diese Änderungen auch wirklich durchziehen kann.

Du hast das SMART-Framework erwähnt. Für den Fall, dass unsere Zuhörer diesen Begriff nicht kennen. Es ist ein Akronym für Specific, Measurable, Attainable, Realistic und Time-based, also spezifisch, messbar, erreichbar, realistisch und terminiert. Ist das korrekt?

Also es gibt verschiedene Versionen. Meine lautet Specific (spezifisch), Measurable (messbar), Actionable (ausführbar), Risky (risikoreich) – das ist die zentrale Idee hier – und Time-keyed (zeitorientiert).

Risikoreich. Die meisten Menschen setzen ihre Ziele zu niedrig an. Manchmal wird der Begriff „realistisch“ für den Buchstaben „R“ verwendet. Das ist aber eigentlich das Schlimmste, was man machen kann, wenn man ein Ziel erreichen will. Alle Forschungsergebnisse belegen das. Wenn man ein Vorhaben umsetzen will, muss es schwierig und nicht einfach sein. Ein einfach zu erreichendes Ziel wird deine Aufmerksamkeit nicht auf sich ziehen. Das Ziel muss außerhalb deiner Komfortzone liegen. Das ist ein wichtiger Punkt. Es gibt drei Zonen.

Ein einfach zu erreichendes Ziel zieht deine Aufmerksamkeit nicht auf sich. Das Ziel muss außerhalb deiner Komfortzone liegen.

Die erste Zone ist deine Komfortzone. In dieser Zone schreibst du E-Mails, nimmst an Meetings teil, gehst einkaufen. Also alltägliche Dinge. Das ist die Komfortzone. Keine besonderen Schwierigkeiten vorhanden und einfach zu vergessen. Du brauchst kein Ziel in deiner Komfortzone. Außerhalb dieser Zone fühlst du dich ein wenig ängstlich und unsicher und hast Zweifel. Diese negativen Gefühle sind aber in Wirklichkeit Hinweise dafür, dass du auf dem richtigen Weg bist. Du bist an etwas dran, das ein bahnbrechendes Ergebnis zur Folge haben wird. Etwas, das dir zu einem außergewöhnlichen Erlebnis verhelfen wird.

All die wirklich interessanten Dinge passieren in der Zone des Unbehagens. Es gibt aber auch noch eine dritte Zone, von der du dich fernhalten solltest. Die Zone der Illusionen. In dieser Zone setzt du dir Ziele, die du nie oder nur erreichen kannst, wenn du dein restliches Leben aufgibst. Wenn ich mir jetzt zum Beispiel vornehmen würde, Golf in der PGA Tour zu spielen, wäre das eine Illusion. Das ist nicht mein Ziel. Ich bewege mich zu dieser Zone und gehe dann ein paar Schritte zurück, um zwischen Komfort und Illusion stehen zu bleiben.

Wenn wir von risikoreichen Zielen und der Zone des Unbehagens sprechen, drängen sich ein paar Fragen auf. Wie ziehen wir uns selbst zur Verantwortung? Und was passiert, wenn wir das Ziel nicht erreichen?

Zwei sehr gute Fragen. Erstens: Verantwortung ist überaus wichtig. Ich habe vorher schon die Studie von Dr. Gail Matthews von der Dominican University erwähnt, in der steht, dass sich unsere Chancen unser Ziel zu erreichen um 42 % erhöhen, wenn wir es aufschreiben. Der andere wichtige Faktor, der von Dr. Matthews beschrieben wird, ist die Verantwortung. Wenn wir jemandem anderen gegenüber eine Verantwortung tragen, ist es in etwa zweimal so wahrscheinlich, dass wir bis zum Ende durchhalten. Aber man muss in diesem Bereich auch aufpassen. Derek Sivers spricht in einem fantastischen TED Talk darüber. Wenn wir unsere Ziele öffentlich preisgeben, erzielen wir den gleichen psychologischen Nutzen, als wenn wir das Ziel schon erreicht hätten. Und das hat wiederum negative Auswirkungen auf uns, da wir so die gleiche Zufriedenheit spüren. Sivers schlägt vor, Ideen mit niemandem zu teilen.

Was ich jedoch empfehle und was wir auch im Kurs zeigen, ist die selektive Preisgabe. Das bedeutet nichts anderes, als seine Ziele mit ein paar wenigen Leuten zu teilen, die dich zur Verantwortung ziehen können, dich unterstützen und dir helfen, wenn du nicht mehr weiterweißt. Das ist der Schlüssel: einen Partner oder eine Gruppe zu haben, die einen zur Verantwortung ziehen, die in das Projekt involviert sind und an Verbesserungen mitarbeiten.

Was passiert, wenn wir das Ziel nicht erreichen? Das hier habe ich von John Maxwell, einem anderen meiner Mentoren: „Misserfolg gibt es nicht. Es gibt nur Feedback.“. Wenn wir etwas nicht schaffen, ist das ok. Misserfolg ist ziemlich überbewertet. Eine der besten Methoden, um sich weiterzuentwickeln, ist Fehler zu machen und zwar schnell. Wir sollten uns Misserfolge nicht zu Herzen nehmen und uns in solchen Situationen nicht als Versager fühlen, sondern den Fehler akzeptieren und daraus lernen. In Best Year Ever sprechen wir über einen Prozess, in dem Aktionen nachbesprochen und analysiert werden, um daraus zu lernen, uns dann wiederaufzurichten und es bei unserem nächsten Versuch besser zu machen.

Misserfolg ist ziemlich überbewertet. Eine der besten Methoden, um sich weiterzuentwickeln, ist Fehler zu machen und zwar schnell.

Eine weitere Erkenntnis, die wir im Laufe des vergangenen Jahres gewonnen haben, ist, dass die Bereiche, in denen du Misserfolge verzeichnen und Enttäuschung oder Schuldgefühle erleben musstest, in der Regel die Bereiche sind, in denen du im nächsten Jahr die größten Chancen hast. Wir nennen dies das Chancenprinzip. Wenn du diese Misserfolge neu ausrichten und als Möglichkeit sehen kannst, kannst du in dem Bereich deutliche Fortschritte machen, eben weil du schon herausgefunden hast, was alles nicht funktioniert.

Das klingt alles sehr logisch und knüpft an das an, was du vorher schon erwähnt hast. Dass wird aus der Vergangenheit lernen und unsere bisherigen Erfahrungen uns nicht einschränken sollten. Bevor wir zum Ende kommen, möchte ich noch ein wenig über das System sprechen. Wir haben darüber gesprochen, wie wichtig es ist, Dinge zu notieren. Ich möchte auch noch erwähnen, dass du auf deiner Website einige sehr interessante Posts zu deiner persönlichen Nutzung von Evernote geschrieben hast. Ich würde gerne wissen, wie du Evernote als Teil deines Systems verwendest und welches Element du jeden Tag im Laufe eines Jahres einsetzt.

Was ich für meine Zielsetzung nutze, sind Zielvorlagen in Evernote, die ich für jedes einzelne Ziel verwende. Ich notiere das Ziel, meine Motivation dahinter und die nächsten Schritte sowie sonstige inspirierende Ideen zum Thema. Ich verwende eine Vorlage für jedes meiner sieben bis zehn Ziele pro Jahr. Dieses Jahr habe ich neun Ziele, also habe ich neun einzelne Notizen in Evernote. Dann nutze ich die Funktion des Inhaltsverzeichnisses. Das habe ich erst letztes Jahr entdeckt. Ich kann gar nicht glauben, dass ich das davor nicht gesehen hatte. Ich erstelle also einfach eine Notiz, in der alle anderen neun Notizen über einen Link verknüpft sind.

Und das Tolle daran: Ich ziehe die Notiz als Schnellzugriff in meine Seitenleiste und sehe sie mir jeden Morgen an. Ich öffne zwar dann die einzelnen Ziele nicht, aber ich sehe mir den Titel meiner neun Ziele morgens an. Falls ich mehr sehen möchte, kann ich auf den Link klicken, aber ich sehe mir nur die Liste meiner neun Ziele an. Wonach ich Ausschau halte, ist eine Aufgabe, die ich in meine Aufgabenliste für den Tag aufnehmen kann und die mich dem Erreichen einer meiner Ziele näherbringt. Das ist, was ich jeden Tag morgens mache. Einmal pro Woche während meiner wöchentlichen Durchsicht öffne ich die Notiz über den Schnellzugriff in der Seitenleiste. Ich klicke dann auf die einzelnen Links und suche nach der Beschreibung meiner Motivation. Ich möchte damit geistig und emotional mit meiner Motivation verbunden bleiben, um nicht zu vergessen, warum das Ziel für mich wichtig ist und warum es auf meiner Liste für dieses Jahr steht.

Personen, die fantastische Ergebnisse erzielen, sind nicht klüger als du. Sie sind nicht besser ausgebildet oder erfahrener, sondern haben einen klaren Durchblick und Mut.

Gut. Wir haben viel über Motivation gesprochen. Was ist deine Motivation? Was bringt dich morgens aus dem Bett?

Ich denke, ich will einen Unterschied machen. Ich mache nichts lieber, als Menschen dabei zu helfen, ihr Potenzial zu erkennen. Wenn ich mit Menschen spreche, sie coache, Kurse gebe oder was auch immer mache, denke ich mir immer: „Du weißt gar nicht, wie viel Potenzial du hast.“. Personen, die fantastische Ergebnisse erzielen, sind nicht klüger als du. Sie haben keine bessere Ausbildung und nicht mehr Erfahrung. Sie haben in der Regel jedoch einen klaren Durchblick und Mut. Mit Mut meine ich nicht, dass sie keine Ängste haben, sondern, dass sie es trotz ihrer Angst durchziehen. Das ist der einzige Unterschied. Menschen können unglaublich viel erreichen, wenn sie gewillt sind, an einem klaren Durchblick zu arbeiten und ihre Vorhaben mit Mut und trotz Angst zu verfolgen.

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