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Warum es nicht immer genügt, seiner Passion zu folgen

Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die schon als Kind ganz genau wussten, was sie in ihrem Leben erreichen wollten – vom ersten Mal an, als du in Ballettschuhe geschlüpft bist oder den Siegtreffer in einem Spiel deiner Jugendmannschaft erzielt hast. Vielleicht bist du aber auch immer noch auf der Suche danach, was du tun willst, wenn du „erwachsen“ geworden bist – obwohl du die Schwelle zum Erwachsenenalter bereits vor Jahren überschritten hast.

Unabhängig davon, ob du bereits auf deine Ziele hinarbeitest oder noch immer auf der Suche nach „deinem Ding“ bist, es lässt sich kaum leugnen, dass wir heute in einer Gesellschaft leben, in der „seiner Leidenschaft zu folgen“ ein zentraler Aspekt ist. Es scheint fast so, als ob alles in unserem Kulturkreis darauf ausgerichtet sei, uns dabei zu helfen, unsere wahre „Bestimmung“ im Leben zu erschließen. Und wenn man seine wahre Leidenschaft, aus welchen Gründen auch immer, nicht erschließt, ist man zu einem unerfüllten – und letztlich erfolglosen – Leben verdammt.

Aber der Rat, einfach „seiner Leidenschaft zu folgen“, ist ziemlich vage. Was genau ist eigentlich Leidenschaft oder Passion? Woran erkennt man, dass man seine eigene gefunden hat? Und was macht man, wenn man sich für mehr als nur eine Sache begeistern kann? Muss man sich dann für eine entscheiden und auf das Beste hoffen?

Und dann ist da noch der Teil, der danach kommt. Ist der Erfolg garantiert? Und wenn die eigene Passion nicht zum Erfolg führt, bedeutet das dann, dass man gescheitert ist? Oder bedeutet es nur, dass es an der Zeit ist, eine neue Leidenschaft zu erschließen?

Es gibt eine Menge zu bedenken, und die Wahrheit ist, dass man in ziemlich raues Fahrwasser geraten kann, wenn man seiner Passion nachgeht – und auf dem Weg wird man unweigerlich auf einige Unebenheiten und unerwartete Wendungen stoßen.

Leidenschaft ist zwar kein Garant für Erfolg, aber ein Verständnis von der Beziehung zwischen den beiden kann dabei helfen, die ungewisse Reise zu meistern – und dabei neue Dinge über dich selbst, deine Passionen und die wahre Bedeutung von Erfolg zu entdecken.

Was ist Passion, und wie findet man sie?

Manche definieren Passion als eine „starke und kaum kontrollierbare Emotion“. Es ist das überwältigende Gefühl, zu etwas bestimmt zu sein – ganz egal, ob es darum geht, wie Vera Wang Hochzeitskleider zu kreieren, in denen Bräute sich einfach schön fühlen, oder wie Ellen DeGeneres den Menschen ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern (oft durch ihre coolen Tanzbewegungen) oder wie Stephen Curry einige der besten Körbe aller Zeiten zu werfen.

Passion ist eine universelle Erfahrung – aber auf welche Weise man seine wahre Leidenschaft entdeckt, variiert von Mensch zu Mensch.

Laut der Autorin von „Eat, Pray, Love“, Elizabeth Gilbert, gibt es zwei Arten von Menschen auf dieser Welt: Presslufthämmer und Kolibris. Und die Art und Weise, wie sie zu ihrer Passion finden, erleben und verkörpern, unterscheidet sich deutlich voneinander.

Presslufthämmer sind Menschen mit einer einzigen Leidenschaft, die sie zielstrebig verfolgen. Sobald Presslufthämmer ihre Passion gefunden haben, neigen sie dazu, sie in guten wie in schlechten Zeiten beizubehalten. Für gewöhnlich verfallen sie ihrer Leidenschaft frühzeitig im Leben und widmen ihr jede freie Stunde (beispielsweise der Fußballspieler, der als Kind nach der Schule zahllose Stunden auf dem Bolzplatz zugebracht hat – und auch heute noch außerhalb der Saison täglich mehrere Stunden damit verbringt, zu trainieren).

Kolibris hingegen flitzen von Interesse zu Interesse zwischen vielfältigen Lebenserfahrungen hin und her. Kolibris gehören zu der Art von Menschen, die einige Jahre an der Wall Street arbeitet und dann ein Buch schreibt, um sich anschließend zu entscheiden, zukünftig an Triathlons teilzunehmen, bevor sie schließlich am Fuße eines Skigebiets ihr eigenes Café mit Kakaospezialitäten eröffnet (Randbemerkung: Kolibris sind hervorragende Gäste auf Dinnerpartys).

Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, seine eigene Leidenschaft zu entdecken. Aber zu verstehen, welcher Gruppe man angehört, kann dabei helfen, einen Weg zu finden, seiner Passion auf eine Weise nachzugehen, bei der man sich treu bleibt.

Das Erfolgsrezept besteht aus mehr Zutaten als nur Passion

Aber bleiben wir realistisch: Um erfolgreich zu sein, bedarf es erheblich mehr als nur die eigene Leidenschaft zu entdecken. „Passion treibt uns an, die Dinge zu tun, die wir wirklich wollen … aber Passion ist nicht alles“, sagte der Komponist, Sounddesigner und zweimalige TEDx-Redner Akash Thakkar.

Engagement, Talent und Ausdauer sind ebenfalls ungeheuer wichtige Faktoren. Man wird nie ein erfolgreicher Musiker werden, wenn man kein Instrument lernt und nicht jeden Tag übt. Und wenn einem auch nur der Hauch einer guten Auge-Hand-Koordination fehlt, stehen die Chancen, ein Basketball-Star zu werden, ziemlich schlecht. Unabhängig davon, wie viel Leidenschaft, Hingabe und Talent man mitbringt, man muss außerdem bereit sein, jeden Tag zu arbeiten, um sein Ziel zu erreichen.

Man muss die Fähigkeit besitzen, auch dann weiterzumachen, wenn es hart auf hart kommt – denn egal, wie leidenschaftlich man ist, irgendwann wird der Weg ein wenig holprig. „Wir spüren den Drang, etwas zu tun, aber sobald unser Gehirn uns mitteilt: ‚das ist aber schwer’, neigen wir dazu, aufzugeben“, sagte Thakkar. „Dann bekommen wir womöglich das Gefühl, uns in Bezug auf unsere Passion geirrt zu haben und denken ‚Das ist wohl doch nichts für mich.‘“ Nur weil man eine Leidenschaft für etwas entwickelt hat, bedeutet es nicht, dass alles andere von selbst käme.

Wann soll man weitermachen und wann soll man das Handtuch werfen?

Es gibt also „Krisen“ oder Zeiten, in denen sich die eigene Passion eher wie eine lästige Pflicht anfühlt als wie etwas, für das man sich begeistert.

„Wir alle werden Momente erleben, in denen es uns schwer fällt, unserer Passion zu folgen, [wenn] das strahlende Licht am anderen Ende des Prozesses zu verblassen beginnt. Top-Performer … überwinden diese ‚Krisen‘, auch wenn es ihnen keinen Spaß macht“, führte Thakkar aus. „Aber die meisten Menschen hören einfach auf, wenn sie einen Rückschlag erleben.“

Und das durchaus aus gutem Grund. „Es ist so, als sei das Leben darauf ausgerichtet, dass man aufhört. Es gibt ständig neue Versuchungen, finanzielle Überlegungen, die Realitäten des Alltags …“, meinte Thakkar. „Aber es lohnt sich, die Talsohle zu durchschreiten, und man hebt sich von der Konkurrenz auf der anderen Seite ab.“

Eine Krise durchzustehen, mag nicht einfach sein, aber es lohnt sich. Rückschläge sind vorübergehend; wenn man sie einmal überwunden hat, kann man seine Passion auf der anderen Seite wiederentdecken – und der Erfolg ist nie weit entfernt.

Man muss allerdings auch die Situationen erkennen, in denen es mit der eigene Passion einfach nicht klappt – die Momente, in denen man in eine Sackgasse gerät.

„Eine Sackgasse hat man erreicht, wenn es keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung mehr gibt“, sagte Thakkar. Wenn die eigene Passion ein Ende gefunden hat, gibt es nichts mehr zu verfolgen, und das Herz sagt einem, dass man eine andere Richtung einschlagen sollte. Und was ist das Beste, was man für sich selbst tun kann, wenn man in eine Sackgasse geraten ist? Aufgeben.

Ja, genau: Aufgeben!

Aufzugeben genießt einen schlechten Ruf, aber manchmal ist es der beste Zug, den man machen kann. „Es geht darum, zur richtigen Zeit aus dem richtigen Grund aufzugeben. Es gibt uns ein besseres Gefühl und wir können anfangen, uns den Dingen zu widmen, die uns wichtig sind“, führte Thakkar aus.

Das heißt, wenn du eine Krisenphase erlebst, während du deiner Passion nachgehst, arbeitest du dich am besten durch sie hindurch. Wenn du hingegen in eine Sackgasse geraten bist, wendest du dich am besten von deinem Vorhaben ab, sortierst dich neu und suchst einen anderen Weg zum Erfolg. Allerdings können Krisen und Sackgassen ziemlich ähnlich aussehen, also wie kann man den Unterschied erkennen?

Hier sind einige Fragen, die du dir stellen solltest:

Ist mein Wunsch, aufzugeben, auf kurzfristigen Stress zurückzuführen oder auf die Tatsache, dass meine Passion, der ich nachgehe, nicht langfristig aufrechtzuerhalten ist?

Kann ich mich noch immer für mein Tun begeistern? Begeistert es mich, in diesem Bereich weiter zu lernen und zu wachsen? Bin ich gespannt auf das, was als nächstes kommt?

Versetzt mich der Gedanke ans Aufgeben in Panik oder verleiht er mir Ruhe?

Tue ich das alles nur für die Anerkennung, die ich mir dadurch erhoffe? Wäre ich auch glücklich, wenn ich für meine Mühen nie anerkannt würde?

Gibt es ein Vorankommen auf diesem Weg?

Welche Fortschritte habe ich bisher gemacht? Sehe ich weitere Fortschritte für mich in der Zukunft?

Sich diese Fragen zu stellen (und zu klaren Antworten zu kommen) ist wichtig, um zu entscheiden, ob die gerade empfundene Frustration nur ein Stolperstein auf dem Weg zum Erfolg ist – oder ob sie ein Indikator dafür ist, dass man in die falsche Richtung läuft und es an der Zeit ist, einen anderen Weg einzuschlagen.

Zum Erfolgreichsein gehört viel mehr als nur „der eigenen Leidenschaft zu folgen“. Es geht darum, ein Verständnis davon zu haben, wie man seine Passion findet, welche Passionen es wert sind, verfolgt zu werden, wann man Herausforderungen meistern muss und wann man das Handtuch werfen sollte.

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